Vortragsprogramm:
Die traditionsreiche Reihe bringt herausragende internationale Stimmen unterschiedlichster Disziplinen zusammen, um neueste Forschungsergebnisse zu diskutieren.
Das Wissenschaftliche Vortragsprogramm ermöglicht die Debatte über neueste Forschungen unterschiedlicher Disziplinen. Herausragende internationale Forschende, darunter zahlreiche Nobelpreisträger, prägen es bis heute und zeigen: Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung ist der Ort, wo Wissenschaft Funken schlägt.
Das Vortragsprogramm der Carl Friedrich von Siemens Stiftung wird in zahlreichen Publikationen und in ausgewählten Mitschnitten dokumentiert.
Studierende, Doktorierende, Postdocs sowie Interessentinnen und Interessenten aus Forschung, Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft können sich unter Angabe ihrer Anschrift und ihrer fachlichen Schwerpunkte an die Stiftung wenden, um das aktuelle Vortragsprogramm digital zu erhalten: vortragsprogramm@cfvss.de.
7.2026
28. Juli 2026
Hoffnung im Dunkel? Ein Leitfaden
zur Musik Adrian Leverkühns
Alex Ross
Musikkritiker und Autor der Zeitschrift
»The New Yorker«
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Friedhelm Marx
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Die Hauptfigur in Thomas Manns großartigem musikalischen Roman ›Doktor Faustus‹ ist ein singuläres Phänomen in der Literaturgeschichte. Nicht nur, was die psychologische Zeichnung, sondern auch, was die kompositorischen Details angeht, ist Adrian Leverkühn so anschaulich konzipiert, dass er die Grenzen des Fiktionalen überschritt und einen geisterhaften Platz in der Musikgeschichte fand.
23. Juli 2026
»Diese nachbarlichen Ufer«.
Goethes »Märchen« zwischen
poetischem Spiel und Sozialutopie
Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Detering
Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft (i.R.) an der Georg-August-Universität Göttingen
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Markus Kleinert
Carl Friedrich von Siemens Stiftung
Auf die Flucht vor der Revolution folgt das gemeinschaftliche Erzählen. Ans Ende seiner ›Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten‹ stellt Goethe das ›Märchen‹.
20. Juli 2026
Hoffnung auf das Neue.
Resonanztheoretische Überlegungen
Prof. Dr. Hartmut Rosa
Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena;
Direktor am Max-Weber-Kolleg, Universität Erfurt
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Armin Nassehi Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie;
Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
Ein Blick auf die Weltlage macht im Jahr 2026 den meisten Menschen nur wenig Hoffnung. Die zentralen Probleme – Umweltzerstörung, Klimakrise, Ungleichheit, neue Kriege – scheinen fast kategorisch unlösbar. Die damit verbundene Ohnmachtserfahrung hat ihre Ursache auch darin, dass sich die Subjekte als Handelnde auf nahezu allen Ebenen im ›Vollzugsmodus‹ fühlen: Sie führen Programme aus und folgen den Algorithmen, und die sind auf Fortsetzung des Eingeübten und Eingefahrenen geeicht.
13. Juli 2026
Klimapolitik, Demokratie
und die Zukunft der globalen
Gemeinschaftsgüter
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer
Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung;
Professor für die Ökonomie und Politik des Klimawandels, Technische Universität Berlin
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Ursula Münch
Direktorin der Akademie für Politische Bildung, Tutzing
Die Welt befindet sich inmitten einer Doppelkrise: Der menschengemachte Klimawandel schreitet fort, und mit ihm ein schwerwiegender Biodiversitätsverlust. Dennoch ist die Weltgemeinschaft derzeit meilenweit davon entfernt, eine Lösung für die von Garrett Hardin bereits im Jahr 1968 beschriebene Tragik der Allmende und für die Bewirtschaftung der globalen Gemeinschaftsgüter, wie sie Elinor Ostrom 2003 skizziert hat, zu finden.
9. Juli 2026
Algorithmic Prediction:
To Hope or to Trust?
Prof. Dr. Elena Esposito
Professorin für Soziologie an der Universität Bielefeld und an der Universität Bologna
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Sven Nyholm
Professur für Ethik der Künstlichen Intelligenz, Ludwig-Maximilians-Universität München
Machine learning algorithms promise innovative ways of dealing with the uncertainty of the future, but they are opaque and often incomprehensible. How do they affect society’s approach to the open future?
3. Juli 2026
The Quest for Immortality
and the New Science of Aging
Prof. Dr. Venki Ramakrishnan
Medical Research Council Laboratory of Molecular Biology, University of Cambridge,
Großbritannien; Nobelpreis für Chemie 2009
Diskussionsleitung: Prof. Dr. F.-Ulrich Hartl
Direktor am Max-Planck-Institut für Biochemie, München
The knowledge of aging and death has driven human culture, including our religions, ever since we became aware of our mortality. For much of our existence there was not much we could do about it, but over the past few decades, biology has made major advances in our understanding of the causes of aging, thus for the first time opening up the possibility of intervening in the process.
6.2026
29. Juni 2026
Seid vollkommen?
Die Idee der Selbstüberschreitung
des Menschen
Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs
Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie,
Universität Heidelberg
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Peter Henningsen
Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, TUM Klinikum rechts der Isar
Die Idee der Selbstvervollkommnung des Menschen, explizit erstmals im 18. Jahrhundert von Rousseau formuliert, hat eine lange Vorgeschichte. Bereits das Christentum kennt das Ideal der Vervollkommnung in der Nachfolge Gottes: ›Seid vollkommen, wie der Vater im Himmel vollkommen ist‹ (Mt 5,48).
22. Juni 2026
Das Völkerrecht als Hoffnung
auf eine bessere Welt
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Anne Peters
Direktorin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Christian Walter
Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Völkerrecht, Ludwig-Maximilians-Universität München
Alles Recht funktioniert nach dem ›Prinzip Hoffnung‹ (Ernst Bloch). Es stellt Maßstäbe auf, die in der Realität oft nicht eingehalten werden – Recht ist kontrafaktisch. Die Hoffnung auf Änderung des Verhaltens der Rechtsunterworfenen und auf Verbesserung der Lebensverhältnisse wird oft enttäuscht. Das gilt für das Völkerrecht in besonderem Maße.
17. Juni 2026
Was bleibt, wenn Gründe fehlen?
Hoffnung in religionswissenschaftlicher
Perspektive
Prof. Dr. Volkhard Krech
Professor für Religionswissenschaft und Direktor des Centrums für Religionswissenschaftliche Studien,
Ruhr-Universität Bochum
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Ronny Vollandt
Professor für Judaistik, Ludwig-Maximilians-Universität München
Was heißt es, zu hoffen, wenn Gründe dafür fehlen? Religionen geben darauf seit Jahrtausenden Antworten. In Geschichten vom Anfang, in Verheißungen von Heil, in Bildern vom Ende – und dem, was danach beginnt: Neubeginn, Wiedergewinnung des Verlorenen, in manchen Fällen sogar zeit- und raumlose Ewigkeit.
15. Juni 2026
The Believing Brain
Prof. Dr. Tali Sharot
Professor of Cognitive Neuroscience, University College London, Großbritannien;
Department of Brain and Cognitive Sciences, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, Massachusetts, USA
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Benedikt Grothe
Lehrstuhl für Neurobiologie; Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
In today’s atomized information ecosystems, compounded by the rise of AI, the distinction between opinion and fact, truth and falsehood, is becoming increasingly blurred. How do people use this abundance of information to form beliefs? Research suggests that the function of beliefs is not simply to provide an accurate reflection of reality.
8. Juni 2026
Hoffnung auf Sicherheit
Prof. Dr. Sönke Neitzel
Lehrstuhl für Militärgeschichte / Kulturgeschichte der Gewalt, Universität Potsdam
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Kiran Patel
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte,
Ludwig-Maximilians-Universität München
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Illusion beendet, dass wir in einem friedlichen Zeitalter leben. Europa hat sich nach dem Ende des Kalten Krieges als sicherheitspolitischer Akteur aufgegeben und gerade wir Deutschen glaubten, Konflikte durch wirtschaftliche Verflechtung lösen zu können. Nun müssen wir wieder lernen, mit militärischen Mitteln für Sicherheit zu sorgen.
2. Juni 2026
Secular Hope: Owning Up to Our Responsibility
Prof. Dr. Martin Hägglund
Birgit Baldwin Professor of Comparative Literature and Humanities, Yale University, Connecticut, USA
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Andreas Urs Sommer
Vorstandsvorsitzender der Carl Friedrich von Siemens Stiftung
This lecture addresses the question of hope in relation to our ecological crisis. As we find ourselves responsible for the destruction of our ecosystem, foundational questions concerning our relation to nature have been reawakened.
5.2026
19. Mai 2026
»Und doch schreibe ich…«
Was heißt Hoffnung in unserer Zeit?
Swetlana Alexijewitsch
Schriftstellerin; Nobelpreis für Literatur 2015
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Riccardo Nicolosi
Lehrstuhl für Slavische Philologie,
Ludwig-Maximilians-Universität München
Man nennt mich eine Katastrophenautorin, aber ich habe nicht über Katastrophen geschrieben, sondern den menschlichen Geist eingefangen. Menschlichen Mut. Mut brauchen heute alle und überall: in Moskau und Charkiw, in Berlin und in Stockholm… Mut, das Licht gegen die hereinbrechende Dunkelheit zu verteidigen.
13. Mai 2026
Radikale Hoffnung.
Christliches Hoffen als Hoffen-auf-Gott
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ingolf U. Dalferth
Professor Emeritus of Philosophy of Religion,
Claremont Graduate University, Kalifornien, USA
Diskussionsleitung: Prof. em. Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Graf
Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik,
Ludwig-Maximilians-Universität München
Im vergangenen Jahr ist es, ausgelöst durch Jürgen Habermas, wieder zu einer philosophischen und theologischen Debatte über das christliche Hoffen gekommen. In diesem Vortrag möchte ich einige der dadurch aufgeworfenen Probleme genauer analysieren und diskutieren.
3.2026
3. März 2026
Globalgeschichte der Menschenopfer
Prof. Dr. Michael Stausberg
Department of Archaeology, History, Cultural Studies and Religion, Universität Bergen, Norwegen
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Dorothea Schulz
Institut für Ethnologie, Universität Münster
Carl Friedrich von Siemens Fellow 2025/2026
Berichte über und Hinweise auf Menschenopfer gibt es in einer Vielzahl von Kulturen. Die morbide Faszination für dieses scheinbar bizarre Phänomen zieht sich bis in die gegenwärtige Populärkultur. Das Menschenopfer wirft fundamentale Fragen nach dem Wert der Humanität und den Grenzen des Humanen auf.
2.2026
24. Februar 2026
The Fragile Image in the Renaissance:
Leonardo and the Undone
Prof. Dr. Francesca Borgo
School of Art History, University of St Andrews, Großbritannien
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Frank Fehrenbach
Kunstgeschichtliches Seminar, Universität Hamburg
Carl Friedrich von Siemens Fellow 2025/2026
For as much as we want artworks to last, we know this is not always the case. This lecture argues that the Renaissance marked the first moment when the material decay of artworks became not only a concern but a subject of aesthetic and scientific attention.
18. Februar 2026
Ancient DNA as a Window into Human History and Biology
Prof. Dr. David Reich
Department of Genetics, Harvard Medical School, Cambridge, USA
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Philipp Stockhammer
Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie,
Ludwig-Maximilians-Universität München
In this talk, I will discuss the revolution wrought by the creation, 15 years ago, of a new tool for studying the human past: ancient DNA sequencing. The invention of the microscope around 400 years ago made possible the discovery of the world of previously invisible microorganisms.
10. Februar 2026
How Electrons and Atoms Can Dance Out of Sync: Insights from Attosecond Core-Level Spectroscopy
Prof. Dr. Ursula Keller
Department of Information Technology and Electrical Engineering, ETH Zürich
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Ferenc Krausz
Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik,
Garching; Nobelpreis für Physik 2023
Attosecond spectroscopy allows us to watch how electrons move and interact with atoms in real time. Using ultrashort laser pulses, we can see electrons localize around specific atoms within a few femtoseconds and how these motions influence the surrounding lattice.
3. Februar 2026
Denial as a Sociological Category
Prof. Dr. Eva Illouz
Department of Sociology and Anthropology, Hebräische Universität Jerusalem;
Directrice d’études, École des hautes études en sciences sociales, Paris
Diskussionsleitung: Géraldine Schwarz
Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin
In his Metaphysics Aristotle viewed knowledge as the result of the desire to know and even postulated that ›all men by nature desire to know.‹ The assumption that human beings desire to know has been at the corner-stone of modernity.
1.2026
29. Januar 2026
Funktionsbedingungen der Verfassungsgerichtsbarkeit
Prof. DDr. Dr. h.c. Christoph Grabenwarter
Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Wien
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Peter M. Huber
Bundesverfassungsrichter a.D., Minister a.D.
Verfassungsgerichte in demokratischen Rechtsstaaten haben die Funktion, den Vorrang der Verfassung zu sichern. Damit sie diese Funktion effektiv erfüllen können, bedarf es bestimmter rechtlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
7. Januar 2026
Die neue Geoökonomik
Prof. Dr. Moritz Schularick
Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, Kiel
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Ursula Münch
Direktorin der Akademie für politische Bildung, Tutzing
Das frühere Paradigma der Globalisierung beruhte auf der Annahme, dass sich die weltwirtschaftliche Integration selbst verstärkt und dabei sowohl Wohlstand als auch politische Stabilität innerhalb und zwischen Staaten fördert.
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