Die neue Geoökonomik
Prof. Dr. Moritz Schularick
Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, Kiel
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Ursula Münch
Direktorin der Akademie für politische Bildung, Tutzing
»Das frühere Paradigma der Globalisierung beruhte auf der Annahme, dass sich die weltwirtschaftliche Integration selbst verstärkt und dabei sowohl Wohlstand als auch politische Stabilität innerhalb und zwischen Staaten fördert. Diese optimistische Sichtweise wird zunehmend durch neue Perspektiven auf die Risiken wirtschaftlicher Abhängigkeiten infrage gestellt. Die Welt bewegt sich weg von einer regelbasierten Ordnung hin zu einem System, in dem geopolitische Erwägungen die Handelsöffnung von Staaten sowie den Fluss von Waren und Kapital bestimmen. Geoökonomik bezeichnet in diesem Kontext den strategischen Einsatz wirtschaftlicher Ressourcen zur Durchsetzung geopolitischer und sicherheitspolitischer Ziele – etwa durch das Belohnen oder Bestrafen des Verhaltens anderer Staaten oder durch die Schwächung ihrer Fähigkeit, selbst Druck auszuüben. Ich möchte einen Einblick in die aktuelle Forschung zur Geoökonomik geben – mit einem Fokus auf wirtschaftliche Abhängigkeiten, die Wirkung von Sanktionen sowie die ökonomischen Kosten von militärischen Konflikten.«