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zur Musik Adrian Leverkühns

Hoffnung im Dunkel? Ein Leitfaden
zur Musik Adrian Leverkühns

Alex Ross
Musikkritiker und Autor der Zeitschrift »The New Yorker«

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Friedhelm Marx
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

»Die Hauptfigur in Thomas Manns großartigem musikalischen Roman ›Doktor Faustus‹ ist ein singuläres Phänomen in der Literaturgeschichte. Nicht nur, was die psychologische Zeichnung, sondern auch, was die kompositorischen Details angeht, ist Adrian Leverkühn so anschaulich konzipiert, dass er die Grenzen des Fiktionalen überschritt und einen geisterhaften Platz in der Musikgeschichte fand. Zahlreiche Komponisten, darunter Hanns Eisler, Henri Pousseur, György Ligeti, György Kurtág, Hans Werner Henze und Alfred Schnittke haben sich auf die eine oder andere Weise von ihrem imaginären Vorgänger inspirieren lassen. Angesichts der Tatsache, dass der vermutlich geisteskranke Leverkühn einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte, mag ein solch konstruktiver Einfluss überraschend erscheinen. Man könnte Leverkühn jedoch als eine Art negativen Helden betrachten, dessen Wahnsinn vielleicht der einzige Ausweg aus einem verrückten Zeitalter ist. Unter den Trümmern der Weltgeschichte ist seine Kunst ein ›Licht der Hoffnung‹, wie Mann am Ende schreibt – das Licht einer kalten, finsteren, rätselhaften Wahrheit.«

— Alex Ross

Dienstag, 28. Juli 2026