Seid vollkommen?
Die Idee der Selbstüberschreitung
des Menschen
Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs
Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie,
Universität Heidelberg
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Peter Henningsen
Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, TUM Klinikum rechts der Isar
»Die Idee der Selbstvervollkommnung des Menschen, explizit erstmals im 18. Jahrhundert von Rousseau formuliert, hat eine lange Vorgeschichte. Bereits das Christentum kennt das Ideal der Vervollkommnung in der Nachfolge Gottes: ›Seid vollkommen, wie der Vater im Himmel vollkommen ist‹ (Mt 5,48). Dante beschreibt im Paradies die Verwandlung und Läuterung, die er im Aufstieg durch die Sphären erfährt, als ›trasumanar‹ – also ›über das Menschliche hinausgehen‹. In der Renaissance kündigt sich der Gedanke einer Selbstüberschreitung des Menschen an, die nicht mehr einem Heilsplan folgt, sondern seiner eigenen schöpferischen Freiheit untersteht. Über Nietzsches Idee des Übermenschen setzt sich das Ideal der Selbstvervollkommnung fort bis hin zu gegenwärtigen transhumanistischen Visionen einer Verschmelzung von Mensch und Maschine zu einer posthumanen Intelligenz. Der Vortrag zeigt, welche sich wandelnden Motive die Hoffnung auf menschliche Vervollkommnung begründen, um sich dann kritisch der Frage zuzuwenden, ob es eine vernünftige Idee der technologischen Selbstüberschreitung des Menschen gibt.«